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Bericht zum 5. KIN Roundtable Petfood vom 24.-25.06.2026

Pünktlich um 10:00 Uhr startete Institutsleiter Patrick Ferrier den KIN Round Table Petfood 2026 am Lebensmittelinstitut KIN e.V. in Neumünster. Er begrüßte 160 externe Teilnehmer, der wieder ausverkauften Veranstaltung, die in diesem Jahr zum fünften Male durchgeführt wurde.

Co-Moderator und Mitveranstalter war in diesem Jahr Michael Alvermann von der PAEX GmbH, der mit seinen exzellenten Branchenkenntnissen über Unternehmen sowie dem who-is-who glänzte und geschickt von Vortrag zu Vortrag moderierte.

Zuvor hatten sich bereits alle Teilnehmer, Sponsoren und Aussteller ab 08:30 Uhr im Produktentwicklungszentrum des Lebensmittelinstituts zum kommunikativen Warm-Up getroffen. Viele Teilnehmer waren Wiederholungsbesucher und zum fünften Mal bei dieser wichtigen, jährlichen Branchenveranstaltung. Aber es gab auch viele neue Teilnehmer, die dem Roundtable Petfood frischen Schwung und Impulse verliehen haben.

Kernthemen der diesjährigen Veranstaltung waren Vorträge zu der am 12. August 2026 in Kraft tretenden PPWR (Packaging and Packaging Waste Reduction) Verordnung sowie das technologische und deklaratorische Themenfeld der Hydrokolloide, welches entscheidend für einen Verkaufserfolg von Nassfutterkonserven ist.

Nach dem Verlesen des Anti Trust-Statements durch Patrick Ferrier sowie dem Dank an die zahlreichen Sponsoren & Aussteller, startete direkt Frau Dr. Katrin Langner, Geschäftsführerin vom Industrieverband Heimtierbedarf e.V., mit ihrem Vortrag zu „Neues aus Brüssel – Wie Hydrokolloide, Zusatzstoffe und Verpackungsrecht die Branche verändern werden“.
Hierbei erhielt die Zuhörerschaft einen konkreten Einblick über die Rolle und den Einfluss des Verbandes für seine Mitglieder, aber auch auf die europäische Gesetzgebung in Zusammenarbeit mit der FEDIAF.
Frau Dr. Langner ging besonders ein auf die Problematik der Wiederzulassungspflicht sowie dem Zulassungsverfahren gemäß der Futtermittel-Zusatzstoff-Verordnung (EG) 1831/2003 über Zusatzstoffe in der Tierernährung, wobei es sich im Wesentlichen um nicht ausreichende Sicherheitsnachweise für alle Zieltierarten mit belastbaren Toleranzdaten handelte.
U.a. gilt das auch bei den aktuellen Wiederzulassungen von Hydrokolloiden.
Insgesamt sprach Frau Dr. Langner von einem zähen und langfristigen Verfahren, zu dem bisher keine zielführende Vereinbarung getroffen werden konnte.
Die Referentin ging final noch auf die PPWR ein, um in einer Kurzfassung die bisherigen Anforderungen, die ab dem 12.08.2026 in Zwei-Jahresschritten Stufe für Stufe erfüllt sein sollen, zu berichten. Zudem lieferte sie eine Kurzzusammenfassung der zusätzlichen rechtlichen Herausforderungen für die Heimtiernahrungsindustrie.

Der zweite Vortrag des Tages wurde gehalten von Fabian Ahuis, Produktentwickler für Tierernährung, von der Emsland Group über „Textur ohne Beipackzettel- Stärke statt Carrageen & Gums.
Kartoffelstärke ist deklaratorisch für die Petfoodbranche ein Geschenk, da keine Regularien seitens der FEDIAF, respektive der Kennzeichnungs-Gesetzgebung existieren. Stärke hat allerdings andere Eigenschaften als die bisherigen Hydrokolloide, ist aber von einem Verbot nicht bedroht und unterliegt keiner Wiederzulassungspflicht im Sinne der Futtermittel-Zusatzstoff-Verordnung (EG) 1831/2003.
Ein Einsatz von 4 – 8% der funktionellen Stärke, so Fabian Ahuis, reiche aus, um Carrageen, Xanthan, Johannisbrotkernmehl und Guar zu ersetzen, die teilweise synergistische Effekte besitzen. Stärken lassen sich hingegen physikalisch, chemisch oder auch mikrobiologisch modifizieren, um spezifische Quelleigenschaften zu erzielen. Fabian Ahuis schilderte umfänglich, aber verständlich dem Fachpublikum die chemischen Zusammenhänge der unterschiedlichen Verdickungssysteme und zeigte deutlich die Vorteile der Modifizierung von Stärke, um dieser unterschiedliche Quell- und Bindeeigenschaften zu verleihen. Der finale Satz des Vortrages von Fabian Ahuis brachte es auf den Punkt: Weniger Zutaten. Weniger Komplexität. Gleiche Performance. àTextur ohne Beipackzettel

Nach einer Kaffeepause referierte in einem Kurzvortrag Andreas Stein von der Atlantic Trading GmbH mit dem Titel: „Schicker Verdicker: Klassische Hydrokolloide und Alternativen auf Faserbasis“ über Möglichkeiten zu den klassischen Hydrokolloiden, wie Flohsamenschalen, Cellulose, Proteine, Stärken und funktionellen Apfelfasern und berichtete über die Vor- und Nachteile dieser Produkte.

Neumünster präsentierte sich zur Mittagspause im Juni (natürlich!) wie gefühlt in jedem Jahr mit besonders warmen, eher für Norddeutschland heißen Temperaturen. Das Mittagessen, serviert unter freiem Himmel oder im Zelt, bei 30 °C im Schatten war ein gutes kulinarisches Kontrastprogramm zum klimatisierten Seminarraum.

Nach dem Essen begeisterte Jan Wittmann, Gründer der Dogorama GmbH, mit seinem Vortrag „Trust me, I’m tasty – Erfolgreiche Markenführung im Petfood-Bereich“ über authentische Werbung und warum sie immer wichtiger wird.
Jan Wittmann sprudelte förmlich über den Erfolg seiner virtuellen Community, bei der es eigentlich nur um eines geht: dem Sammeln und Vermarkten von Daten seiner Nutzer sowie deren Interessen. Dogorama hat über 1 Million Mitglieder im DACH-Raum und ist ein Paradebeispiel dafür, wie gezielte virtuelle Markenführung für geschäftlichen Erfolg sorgt. Dabei ging Wittmann besonders auf das ein, was heute zieht: Short Videos, die auch als bezahlte Anzeige die eigene Marke pushen können. Nicht nur bei TikTok, sondern auch auf jedem anderen sozialen Kanal generiert man mit entsprechendem Inhalt mindestens fünfmal mehr Aufmerksamkeit als mit Content, das „nur“ über ein Bild verfügt. Ein anderes Schlagwort ist Connected TV, welches für internetfähige Fernseher (Smart-TVs), TV-Sticks oder Spielekonsolen steht, um personalisierte Videoanzeigen auszuspielen. Dabei sei Vertrauen wichtig, sagte Jan Wittmann, bloße Reichweite reicht nicht mehr. Er schilderte den nicht immer positiven Einfluss der KI auf heutige Video-Kampagnen in Bezug auf Austauschbarkeit oder der Reproduzierbarkeit. Sein Ziel war es eine Lovebrand zu generieren, die Identität schafft, Emotionen weckt und Kunden mit loyaler Leidenschaft bindet. Eine Lovebrand, berichtet Jan Wittmann, begeistert, verkauft kein Produkt, sondern ein Gefühl.

Der zweite Vortrag des Nachmittags von Till Isensee, Geschäftsführer der Tillisco GmbH, wurde ebenso lebendig vorgetragen, wie zuvor von seinem Vorredner und sorgte formidabel gegen das Mittagskoma: „PPWR – Handelsmarken lehnen Erzeuger Rolle ab. Lieferanten unter Druck!“ Dabei fasste Till Isensee den Handlungsbedarf für die PPWR konkret zusammen und nahm für das laufende Jahr 2026 spürbar den Erfolgsdruck für die Teilnehmer des Roundtable, die für die Umsetzung der Verordnung in ihren Unternehmen zuständig sind. Isensee präsentierte die PPWR-Pipeline, die in wenigen Augenblicken viel Licht in den dunklen Tunnel der Anforderungen brachte.
Dabei ging er auch auf die Handelsmarke LIDL ein, die sich an ihre Lieferanten schriftlich gewendet und die eigene Rolle im Sinne der PPWR als Erzeuger abgelehnt hat. Er schilderte welche Folgen das für jeden einzelnen Hersteller haben wird und empfahl sich Rechtsbeistand in dieser Sache zu holen und in jedem Falle Widerspruch einzureichen.

Den dritten Vortrag des Nachmittags und damit sechster des Tages wurde von Marc-Steffen Fink von der PAEX GmbH zum Feld der Rohwarenbeschaffung thematisiert: „Gently Cooked im Krisenmodus: Geflügelpest, Lieferketten und Rohwarenqualität“.
Die Beurteilung des schwierigen Beschaffungs-Marktes für Rohstoffe für Tiernahrung sorgt insgesamt für deutlich höhere Rohstoffkosten. Dazu tragen neben der Geflügelpest, Lieferketten auch und im Besonderen die allgemeine Rohwarenqualität bei. Die Umsatzentwicklung des deutschen Heimtiermarktes ist mit 2025 erstmalig nicht mehr steigend, sondern fallend. Dabei ist Nassfutter für Hunde & Katzen in Deutschland traditionell stark, aber Trockenfutter am Fallen. Snacks befinden sich in der Sättigungsphase. In den USA dagegen ist Trockenfutter „das“ Futter, damit hat es Gently Cooked dementsprechend wesentlich einfacher, die Humanisierung bzw. den Qualitätswunsch „Lücke“ zu füllen. Nassfutter liegt in den USA im Umsatz hinter den Leckerlis. Grundsätzlich sind in beiden Ländern ähnliche Trends abzulesen, so Marc-Steffen Fink: Humanisierung, Premiumisierung, E-Commerce, Abos, Funktional und Innovativ, die den Markt verändern und den Focus auf die Produkte verändern. Das Fütterungsverhalten in DE zeigt zwei Merkmale, die aufhorchen lassen: Barf ist ein nicht mehr unwesentlicher Bestandteil und ein spürbarer Trend sind in jedem Falle „selbst gekochte“ Produkte. So zeigte über weitere Kategorien der Marktbetrachtung der Referent verschiedene Kriterien auf, die derzeit den Markt beeinflussen. Dabei reflektierte er aus verschiedenen Blickweisen die vorliegenden Kennzahlen und zeichnete ein scharfes Bild des sich verändernden Marktes, nicht nur der Rohware, sondern auch der vom Verbraucher erwarteten Produkte.

Traditionell fand am ersten Tag die für viele Teilnehmer wichtige Abendveranstaltung in einem Hotel in Neumünster statt, bei der die Besucher des Roundtable Petfood bei bestem Wetter ihre Gelegenheiten nutzten ihr Netzwerk intensiv zu pflegen und auszudehnen.

 

Am nachfolgenden Tag startete das Warm-Up wie gehabt im Produktentwicklungszentrum, bevor Patrick Ferrier um 10:00 Uhr den zweiten Teil des diesjährigen „Jubiläumstisches“ eröffnete.

Christian Köhler, Geschäftsfüher der mbb GmbH, referierte nicht über sein berufliches Thema der Hydrokolloide, sondern über seine zweite Leidenschaft von „KI im Alltag – Konkrete Anwendungen für Petfood-Hersteller“.   Dabei zeigte er eindrucksvoll, wie man über die KI-Plattform für Unternehmen „Langdock“, die über 40 KI-Sprachmodelle (ChatGPt, Gemini, Perplexity, Claude, etc.) vereint, die Automatisierung von Arbeitsabläufen DSGVO-konform gestalten kann. Er demonstrierte in einem für die Teilnehmer des Roundtables live gezeigten Workflow mit Agenten, wie Routineaufgaben automatisiert werden können, indem KI direkt mit Programmen wie Slack, Google Drive, Asana oder z.B. Salesforce verknüpft wird.
Die anschließende Fragerunde zu seinem Vortrag und den Möglichkeiten von sinnvoll eingesetzter KI dauerte genauso lange wie sein Vortrag selbst, nämlich 45 min. Das Interesse der Zuhörerschaft war groß und von starker Resonanz.

Anschließend referierte Franz-Bernd Kosmann, Sales Manager bei der CLK GmbH, über „Multicheck, Boxcheck, etc. – Mehrwert durch effizientere Detektionssysteme“, also über Bildverarbeitung und Robotik.
Die Welt der Fremdkörpererkennung ist schwierig und vielfach von Fehlern behaftet, weshalb es verschiedene Systeme gibt, mit gewissen Vor- und Nachteilen. Dabei ist die Video-Kontrolle im Verhältnis zu bekannten Systemen sicherer, insbesondere für Fremdkörper aus Kunststoff, die mit einem Metalldetektor nicht und mit einem Rötgenzeilengerät nur bedingt entdeckt werden können.  Allerdings sind auch bei dieser Technik Grenzen der Sichtbarkeit vorhanden, aber es sorgt insgesamt für mehr Sicherheit, so Kosmann.

 

Nach einer erfrischenden Kaffeepause sorgte Manfred Seelig, Sales & Technology Manager bei Natec Network, für „Effizienz im Bestand: Wie bestehende Anlagen neue Maßstäbe in Leistung und Platzbedarf setzen“.
Er referierte über die Möglichkeiten der UHT-Technologie, die bisher für das Unternehmen mit zahlreichen Kunden in der Käseindustrie vielfach erfolgreich genutzt wurde. Dabei ist diese Technik auch für Petfoodhersteller von hohem Interesse, weil der Platzbedarf der Anlagen relativ gering ist. Entscheidender aber ist, dass die aufgewendete Energie zum Sterilisieren deutlich geringer ist und in einem Markt der volatilen Energiepreise zu signifikanten Einsparungen von ca. 45 % führen wird. Er verwies auf das UHT-Projekt für Petfood des Lebensmittelinstitut KIN e.V., zu dem das Institut ein Whitepaper zur Projektbeteiligung veröffentlich hat.

Dr. Katharina Michl, von Lallemand Animal Nutrition referierte, anschließend über „Mehr als stabil: Konzept, Evidenz und Claim-Power postbiotischer Bakterien in Verdauung, Immunsystem und darüber hinaus“. Ihr Vortrag handelte über Postbiotika, Zubereitungen aus nicht lebensfähigen Mikroorganismen und/oder deren Bestandteilen, die dem Wirt einen gesundheitlichen Nutzen bringen, dem Kern dieser Entdeckung. Dieser Nutzen wirkt sich bei den Tieren positiv auf Verdauung, Immunsystem, Haut und Stress aus. Postbiotische Bakterien verbinden somit wissenschaftliche Evidenz mit industrieller Umsetzbarkeit und schaffen einen echten Mehrwert für Tier und Halter.
Postbiotische Lösungen zählen als Prävention für Haut- und Magen-Darm-Erkrankungen und zählen zu den Top 3 Gründen für Tierarztbesuche. Mehr als 73 % erkennen den Zusammenhang zwischen Darm & Gesundheit und last but least: es ist eine proaktive Gesundheitsvorsorge für das Tier.

 

Die Vortragsreihe endet am zweiten Tag mit einem weiteren Vortrag über Social Selling, in diesem Falle von Torben Fangmann, dem Mitgründer der smovement GbR.
Der Titel: „LinkedIn in der Petfood-Branche: Professionelles, authentisches Social Selling statt oberflächlicher TikTok-Tänze“. LinkedIn bietet die Möglichkeit professionell für Unternehmen auf einer sozialen Plattform für Businesskontakte, Aufträge zu generieren und Geschäfte anzubahnen. Dabei ist die Plattform das weltweit größte soziale Netzwerk für geschäftliche Interaktionen. Social Selling beschreibt den durch soziale Medien gestützten Aufbau/Ausbau von (Kunden-) Beziehungen, um nachgelagert Marketing- und Vertriebsziele zu erreichen, so präsentiert Torben Fangmann brillant sein Vortragsthema. Dabei ist Vertrieb eine simple Formel, die richtige Person, mit der richtigen Botschaft, zum richtigen Zeitpunkt zu erreichen. Zusammen ist das dann der Vertriebserfolg. Denn Erfolg ist kein Zufall. Mit LinkedIn erreicht man den Zugang zu Entscheidern, zu Informationen und hebelt Timing Probleme aus. Dazu kommt die Expertenpositionierung.  Die eigentliche Erkenntnis mit der Nutzung von LinkedIn ist, dass Social Media nicht ersetzt, es verstärkt die Vertriebsfähigkeit. Basis dafür ist ein umfangreiches Netzwerk mit Zielpersonen und Segmentierungen.
Und natürlich: Guter Content ist die Basis von gutem Social Selling.

Patrick Ferrier erklärt anschließend die Veranstaltung um 14:15 Uhr für beendet und bedankte sich artig bei allen Teilnehmern und eröffnete noch einmal die Möglichkeit eines Mittagessens, bevor sich die Besucher auf den Weg machten.

 

Hier noch ein paar Impressionen: