Transparenz & Rückverfolgbarkeit als Markenvorteil im Futtermittelmarketing
Ob Heimtierhalter oder Landwirt – wer Futter einkauft, entscheidet längst nicht mehr nur nach Preis und Verpackung. Die Frage, was genau im Sack, in der Dose oder im Trog landet, rückt immer stärker in den Fokus. Verbraucher möchten wissen, woher die Rohstoffe stammen, wie sie verarbeitet wurden und ob das Produkt ihren Ansprüchen an Qualität, Nachhaltigkeit und Sicherheit gerecht wird.
Aus diesem Grund entwickelt sich das Stichwort „Transparenz“ in der Petfood Branche immer stärker von einer regulatorischen Pflicht zu einem echten Markenvorteil. Denn wer offen kommuniziert, gewinnt Vertrauen – und wer Vertrauen aufbaut, schafft die Grundlage für langfristige Kundenbindung. Gerade an einem Markt, in dem Fachwissen auf Emotionalität trifft, ist das Potenzial für glaubwürdiges und wirksames Marketing enorm.
Doch wie lässt sich Transparenz im Marketing konkret umsetzen? Welche Formate und Kanäle eignen sich und wie liegt die Grenze zwischen glaubwürdiger Information und werblicher Überfrachtung? Das erfahren Sie in diesem Artikel!
Warum Transparenz wichtiger wird
Die Ansprüche an Futtermittel steigen und mit ihnen die Erwartungen an die Kommunikation der Hersteller. Konsumenten wollen nicht nur sichergehen, dass das Produkt rechtlich einwandfrei deklariert ist, sondern auch nachvollziehen, woher die eingesetzten Rohstoffe stammen, wie sie verarbeitet wurden und welche Herstellungsstandards vorliegen.
Mehrere Faktoren fördern diesen Trend:
- Vertrauensverlust durch Skandale
Futtermittelskandale haben in der Vergangenheit das Vertrauen der Konsumenten geschwächt. Folglich erwarten Konsumenten heute klare Informationen – sowohl online als auch auf der Verpackung. - Öffentliche Wirkung durch digitale Medien
Social Media oder Bewertungsportale sorgen dafür, dass sowohl Missstände als auch positive Beispiele schnell bekannt werden. Laut dem FMI/NIQ Transparency Trends Report 2023 gaben 76 % der Befragten an, dass Produkttransparenz für sie wichtig ist, was einen klaren Anstieg von zuvor 69% in 2018 und 72% in 2021 aufzeigt. - Emotionale Entscheidungen im Heimtierbereich
Tierhalter sehen ihre Haustiere als Familienmitglieder. Studien zeigen, dass hierbei Transparenz bei Herkunft und Inhaltsstoffen das Vertrauen in Marken signifikant stärkt. - Regulatorischer und ökologischer Druck
Neue Gesetze wie das EU-Lieferkettengesetz oder Anforderungen entwaldungsfreier Lieferketten forcieren umfassende Rückverfolgbarkeit. Dennoch verfügen etwa 70 % der Unternehmen noch nicht über vollständig transparente Lieferprozesse.
Was bedeutet Rückverfolgbarkeit in der Petfood Branche
Rückverfolgbarkeit ist weit mehr als eine Chargennummer auf dem Etikett. Im Futtermittelbereich bezeichnet sie die lückenlose Dokumentation und Nachvollziehbarkeit der Herkunft, Verarbeitung und Verteilung sämtlicher eingesetzter Rohstoffe – vom Ursprungsbetrieb bis zur Auslieferung an den Endkunden.
Während in der Nutztierfütterung Rückverfolgbarkeit längst fester Bestandteil gesetzlicher Vorgaben ist – etwa durch die VO (EG) Nr. 183/2005 über die Anforderungen an Futtermittelunternehmer -, steigt auch im Heimtiersegment der Druck zur Transparenz. Verbraucher wollen heute wissen: Woher stammen Fleisch, Getreide, Öle oder Zusatzstoffe? Wie werden sie gelagert, verarbeitet und transportiert?
Gerade in Zeiten von Rohstoffverknappung, Nachhaltigkeitsanforderungen und wachsender Sensibilität für Tierwohl ist die Fähigkeit, die eigene Lieferkette transparent darzustellen, nicht nur ein Risikomanagement-Tool, sondern auch ein strategisches Marketinginstrument. Wer Herkunft belegen kann, stärkt Glaubwürdigkeit – und hat im Zweifel die besseren Argumente bei Nachfragen aus Handel, Öffentlichkeit oder Medien.
Best Practices aus der Branche
Dass Transparenz nicht nur verpflichtend, sondern auch erfolgreich inszeniert werden kann, zeigen mehrere Marken aus dem Futtermittelsektor. Besonders im Heimtierbereich setzen Hersteller zunehmend auf eine offene, nahbare Kommunikation und nutzen diese gezielt zur emotionalen Markenbindung.
1. Open Farm
Der kanadische Futtermittelanbieter legt seine Lieferkette äußerst detailliert offen und setzt auf unabhängige Zertifikate wie B Corp, Fair Trade und USDA-Bio. Auf ihrer Website bietet das Unternehmen eine interaktive Rückverfolgbarkeit für jedes Produkt an. Über den „Lot Code“ auf der Verpackung können Nutzer die Herkunft der Zutaten sowie den Ökologischen Fußabdruck und unabhängige Laborergebnisse nachverfolgen.
2. Mars
Mars ist der erste globale Heimtierfutterhersteller, der sich an den Global Dialogue on Seafood Traceability (GDST) Standard hält. Damit werden Futterzutaten, insbesondere aus Fisch- und Meereslieferketten, digital und interoperabel rückverfolgbar gemacht. Marken wie Whiskas oder Royal Canin zählen hier als bekannte Beispiele. Mit der Partnerschaft mit WholeChain implementiert Mars ein digital interoperables Rückverfolgungssystem – beginnend mit Zutaten aus der Fisch- und Meereslieferkette, das künftig ausgedehnt wird auf weitere Rohstoffe wie Palmöl oder Soja.
3. The Honest Kitchen
The Honest Kitchen war 2002 der erste Hersteller von Heimtierfutter, der seine Produkte in human‑food level Einrichtungen herstellt und dauerhaft das FDA-Statement ohne Einwände („No Objection“) zur Kennzeichnung „human grade“ erhielt. Das bedeutet: Alle Zutaten sind für den menschlichen Verzehr geeignet – von der Auswahl über die Verarbeitung bis hin zur Verpackung. Seit 2021 agiert das Unternehmen als Public Benefit Corporation und wurde 2022 nach dem strengen B Corp‑Standard zertifiziert.
Wie lässt sich das umsetzen: Kommunikationskanäle und -formate
Transparenz wirkt nur, wenn sie sichtbar wird und dafür braucht es die richtigen Kanäle. Erfolgreiche Futtermittelmarken kombinieren klare Produktkennzeichnung mit digitalen Informationsangeboten und glaubwürdigen externen Prüfzeichen.
Auf der Verpackung schaffen präzise Deklarationen, Herkunftshinweise und Prüfsiegel wie das KIN Qualitätssiegel Orientierung. Letzteres dokumentiert geprüfte Produktqualität und hygienische Sicherheit entlang der gesamten Produktionskette – ein starkes Argument für Fachkunden und Endverbraucher. Ergänzende QR-Codes verlinken direkt zu Chargen- oder Herkunftsinformationen.
Websites fungieren als zentrale Anlaufstelle für tiefere Einblicke: interaktive Rückverfolgbarkeitstools, Rohstoffporträts oder Nachhaltigkeitsberichte vermitteln Substanz. Social Media und Videoformate transportieren ergänzend emotionale Einblicke – etwa durch Behind-the-Scenes oder Kurzinterviews mit Lieferanten.
Entscheidend bleibt: Wer transparente Inhalte verständlich, zugänglich und visuell klar aufbereitet, schafft Vertrauen – und positioniert sich langfristig als glaubwürdige Marke.
