„Nicht die Existenz eines Stoffes ist gefährlich, sondern die Dosis“
Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Prof. Dr. Dr. Dr. Andreas Hensel, äußerte sich im Interview mit dem Lebensmittelverband über die Aufgaben des BfR, sowie über die Verantwortung der Medien und sozialen Netzwerke in der Risikokommunikation.
Dazu erklärt Prof. Hensel, dass Menschen sich häufig vor Lebensmittelinhaltsstoffen oder Rückständen fürchten, deren tatsächliches Risiko wissenschaftlich deutlich geringer ist als angenommen. Schlagzeilen etwa zu Zusatzstoffen, Pflanzenschutzmittelrückständen oder gentechnisch veränderten Organismen sorgen oft für mehr Beunruhigung, obwohl in Deutschland und der EU sehr strenge Regeln für Lebensmittelsicherheit gelten und bestehende Grenzwerte weit unterhalb problematischer Mengen liegen.
Demgegenüber werden alltägliche und tatsächlich bedeutsamere Risiken, wie unsachgemäße Lagerung, Übergewicht oder Keime auf nicht richtig gegarten Lebensmitteln, teils unterschätzt oder ignoriert.
Prof. Hensel betont die Rolle der Risikokommunikation. Um Bürgerinnen und Bürger angemessen über echte Risiken zu informieren und irrationale Ängste abzubauen, müsse die Wissenschaft die Risiken verständlich, transparent und unabhängig kommunizieren – auch, damit die Menschen fundierte Entscheidungen treffen können. Es gehe dabei nicht nur darum, Zahlen zu präsentieren, sondern auch darum, Zusammenhänge und Bedeutungen zu erklären. Eine verständliche und glaubwürdige Risikokommunikation ist essenziell, um das Verbrauchervertrauen zu stärken.
Laut Prof. Hensel ist die gefühlte Bedrohung durch bestimmte Risiken oft viel höher als das reale Risiko. Die größten Herausforderungen liegen heute weniger in gefährlichen Lebensmitteln, sondern darin, Wissen darüber leicht zugänglich und verständlich zu machen.
Lesen Sie hier das interessante Interview des Lebensmittelverbandes mit Prof. Hensel, zu dem es auch ein Podcast auf Spotify gibt.
