Die Herstellung moderner Heimtiernahrung, insbesondere von Alleinfuttermitteln, stellt hohe Anforderungen an Prozesssicherheit, Deklarationstreue und Produktqualität. Werden Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe, funktionelle Zusatzstoffe oder andere ernährungsphysiologisch relevante Komponenten eingesetzt, müssen diese möglichst gleichmäßig im gesamten Produkt verteilt sein. Das gilt besonders bei Komponenten mit sehr geringen Einsatzmengen oder bei Produkten, deren Zusammensetzung eng an Deklarations- oder Sicherheitsanforderungen gekoppelt ist.
Genau hier setzt die Mischervalidierung an: Sie liefert einen nachvollziehbaren Nachweis, ob der eingesetzte Mischprozess unter den tatsächlichen Produktionsbedingungen eine ausreichend homogene Verteilung erreicht.
Gemäß Verordnung (EG) Nr. 183/2005, Anhang II, müssen Mischanlagen für die Skala der zu mischenden Gewichte oder Volumen geeignet und in der Lage sein, angemessene homogene Mischungen und homogene Verdünnungen herzustellen. Gleichzeitig müssen Futtermittelunternehmer die Wirksamkeit ihrer Mischanlagen in Bezug auf die Homogenität nachweisen können.
Für die Praxis bedeutet das: Die Mischgüte sollte nicht nur aus der Anlagenbeschreibung oder aus Erfahrungswerten abgeleitet werden. Belastbar wird sie erst, wenn sie unter betriebsüblichen Produktionsbedingungen geprüft, analytisch abgesichert und nachvollziehbar dokumentiert wird.
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Mischgenauigkeit und Arbeitsgenauigkeit.
Mischgenauigkeit beschreibt die Fähigkeit einer Mischanlage, unterschiedliche Mengen an Einzelkomponenten in einer definierten Zeit homogen miteinander zu mischen. Die Arbeitsgenauigkeit betrachtet darüber hinaus den gesamten Herstellungsablauf, also unter anderem Dosiergenauigkeit, Homogenität, mögliche Entmischung und Verschleppung. Damit geht es nicht nur um den Mischer selbst, sondern je nach Prozess auch um vor- und nachgelagerte Zugabeeinrichtungen, Förderwege, Pressen, Abfüllung, Verladung oder Verpackung.
Orientierung gibt der Leitfaden zur Überprüfung der Arbeits- und Mischgenauigkeit bei Futtermittelunternehmen. Er ist nicht rechtsverbindlich, dient aber als fachliches Instrumentarium für die behördliche Bewertung und für eine praxisnahe Ableitung geeigneter Nachweise. Der Leitfaden unterscheidet je nach Einsatzbereich unterschiedliche Anforderungen an die Mischgenauigkeit. Bei bestimmten Vormischungen oder Mischfuttermitteln mit Zusatzstoffen, für die Höchst- oder Mindestgehalte gelten, können beispielsweise Einmischverhältnisse von 1:100.000 oder 1:10.000 relevant sein. In anderen Fällen wird die erforderliche Mischgenauigkeit betriebsindividuell über die Komponente mit dem geringsten Anteil an der Gesamtmenge festgelegt.
Besonders relevant ist eine Mischervalidierung zum Beispiel bei:
- Alleinfuttermitteln und Ergänzungsfuttermitteln mit Zusatzstoffen
- Vormischungen sowie Vitamin- und Mineralstoffmischungen
- Komponenten mit sehr geringen Einsatzmengen
- Produkten mit ernährungsphysiologischen oder funktionellen Bestandteilen
- neuen Mischanlagen, geänderten Mischzeiten, geänderten Rezepturen oder veränderten Füllmengen
- Auffälligkeiten in Analytik, Qualitätssicherung oder Kennzeichnung
- Audit-, Kunden- oder Behördenanforderungen an einen dokumentierten Homogenitätsnachweis
- kritischen Produktwechseln, bei denen zusätzlich die Verschleppungsneigung bewertet werden muss
Das KIN unterstützt Futtermittel- und Petfood-Unternehmen bei der praxisnahen Überprüfung der Arbeits- und Mischgenauigkeit. Gemeinsam mit dem Unternehmen wird festgelegt, welcher Prüfparameter für Produkt, Rezeptur und Fragestellung sinnvoll ist. Je nach Zielsetzung kann hierfür eine geeignete Originalkomponente, ein Futtermittelzusatzstoff oder ein definierter Indikator bzw. Tracer herangezogen werden.
Im Rahmen der Validierung können unter anderem folgende Punkte berücksichtigt werden:
- Mischzeit, Vormisch-, Hauptmisch- und Nachmischzeit
- Mischerfüllung und Chargengröße
- Dosierung und Zugabepunkte der relevanten Komponenten
- Rezeptur und produktspezifische Eigenschaften, zum Beispiel Partikelgröße, Dichte, Fettgehalt oder Fließverhalten
- Anlagenaufbau einschließlich vor- und nachgelagerter Prozessschritte
- Anzahl und Ort der Probenahmen, zum Beispiel aus dem Mischer, der Herstellungsanlage und dem Endpunkt der Produktion
- gegebenenfalls Kontrollcharge, Prüfcharge und Folgecharge zur Bewertung möglicher Verschleppung
Die entnommenen Proben werden laboranalytisch untersucht und statistisch ausgewertet. Für die Bewertung der Homogenität werden typischerweise Soll- und Ist-Konzentrationen, Mittelwert, Standardabweichung und Variationskoeffizient betrachtet. Der Variationskoeffizient zeigt, wie stark die Einzelergebnisse innerhalb der Charge streuen. Der Leitfaden nennt hierfür als Orientierungsgrößen maximal 7 % bei organischen Mischungen und maximal 10 % bei mineralischen Mischungen; die konkrete Bewertung hängt jedoch von Testsubstanz, Analysenmethode, Produkt und Untersuchungsziel ab.
Bei kritischen Produktwechseln kann zusätzlich die Verschleppungsneigung betrachtet werden. Das ist insbesondere dann relevant, wenn ein Stoff aus einer vorherigen Charge nur in technisch unvermeidbarem Umfang in eine nachfolgende Charge übergehen darf. Die Ergebnisse können genutzt werden, um technische oder organisatorische Maßnahmen wie Produktionsreihenfolgen, Reinigungsmaßnahmen oder Spülchargen fachlich zu bewerten.
Das Ziel besteht darin, nachzuweisen, dass der eingesetzte Mischprozess technisch dazu geeignet ist, eine ausreichend homogene Verteilung der eingesetzten Komponenten sicherzustellen und damit Anforderungen an Qualität, Produktsicherheit und Deklarationstreue zuverlässig zu erfüllen.
Unternehmen erhalten damit einen dokumentierten und nachvollziehbaren Nachweis für interne Qualitätssicherungssysteme, Audits, Kundenanforderungen oder behördliche Fragestellungen. Gleichzeitig können die Ergebnisse helfen, Mischzeiten, Dosierabläufe oder Prozessparameter gezielt zu überprüfen und bei Bedarf zu optimieren.
Das KIN unterstützt Futtermittel- und Petfood-Unternehmen bei der praxisnahen Überprüfung der Arbeits- und Mischgenauigkeit. Die fachliche Begleitung umfasst je nach Fragestellung die Prüfplanung bzw. den Validierungsmasterplan, die Auswahl eines geeigneten Prüfparameters, das Probenahmekonzept, die Laboranalytik, die statistische Auswertung und die gutachterliche Bewertung der Ergebnisse.
Bei Fragen zur Mischervalidierung oder zur Planung geeigneter Untersuchungen sprechen Sie uns gerne an.