Deutsche Gesellschaft für Ernährung sieht keine wissenschaftliche Basis für Ampelkennzeichnung (News vom 08.10.2009)
Die von den Verbraucherorganisationen in Gang gehaltene, politisch eher aussichtlose Ampeldiskussion hatte zuletzt von den Gesetzlichen Krankenkassen Rückenwind bekommen, die in einem offenen Brief an die Bundesregierung und Europapolitiker argumentierten, dass nur die Ampel dem Verbraucher einen schnellen Überblick über Fett, Zucker und Salz in einem Lebensmittel biete.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE), die zu 70% von Bund und Ländern finanziert wird, hat sich jetzt erstaunlich deutlich gegen den Farbcode ausgesprochen und lenkt damit die aktuelle Diskussion in neue Bahnen.
Der Ampelkennzeichnung fehle die wissenschaftliche Basis, so die Gesellschaft. Hinsichtlich der Frage, bei welchen Werten im Rahmen einer Farbkennzeichnung mittels Ampel der Farbumschlag von Gelb nach Rot erfolgen soll, vertritt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) nach Prüfung der zugänglichen wissenschaftlichen Daten die Position, dass exakte Zahlenwerte bzw. Bezugsgrößen für die trennscharfe Bewertung von Lebensmitteln nicht wissenschaftlich korrekt abzuleiten sind. Die wissenschaftliche Evidenz der für eine Ampelkennzeichnung notwendigen „Bezugsgrößen" sei nicht vorhanden. Zu große Spannen im Nährwertgehalt, die für die Farbgebung zugrunde gelegt werden müssten, machten eine Vergleichbarkeit von Lebensmitteln fast unmöglich. Die ernährungsphysiologische Qualität von Lebensmitteln ist eine komplexe Größe, die sich aus einer großen Zahl von Teilqualitäten zusammensetzt, die im Ampelmodell nur unzureichend berücksichtigt wird, so die DGE. Da diese nicht in ihrer gesamten Komplexität abgebildet werden kann, mache es für eine vereinfachte Kennzeichnung Sinn, nur auf wissenschaftlich akzeptierte Schlüsselgrößen zu fokussieren. Hier biete sich die Energiedichte als Maß für den Kaloriengehalt eines Lebensmittels an.
Weitere Informationen: Bettina Pengel, KIN-Bereichsleitung Chemie & Lebensmittelrecht, Tel. 04321/601-57
http://www.dge.de/pdf/presse/2009/aktuell/DGE-Pressemeldung-aktuell-09-2009_Ampelkennzeichnung.pdf

